Fachgruppe Botanik

Mitglieder der FG Botanik auf dem Friedhof in Groß Glienicke auf gemeinsamer Exkursion.  Foto: A. Basner
Mitglieder der FG Botanik auf dem Friedhof in Groß Glienicke auf gemeinsamer Exkursion. Foto: A. Basner

Trotz des Verlustes von zahlreichen Biotopen und vielen botanischen Kostbarkeiten ist die Artenfülle in und um Potsdam immer noch recht groß. Darunter befindet sich auch so manche interessante und seltene Pflanzensippe. Ziel der Botanik-Ortsgruppe ist die Erforschung der Flora des Stadtgebietes.

Die Schwerpunkte unserer Arbeit liegen dabei in der:

- floristischen Kartierung im Potsdamer Stadtgebiet, Schwerpunkt bilden dabei die relativ naturnahen Bereiche sowie Beobachtungen über das Auftreten von „Neubürgern“ (Neophyten),

- Unterstützung von Institutionen und Organisationen bei floristischen Kartierungen,

- Dokumentation des eingetretenen Florenwandels

- Erfassung und Kennzeichnung von Standorten geschützter, gefährdeter, seltener und pflanzengeographisch bemerkenswerter Arten,

- Vermittlung von Kenntnissen über den Zusammenhang von Lebensraum und Arteninventar,

- sowie in der Erweiterung der Artenkenntnisse der Fachgruppenmitglieder.

Interessenten sind herzlich willkommen.

Ansprechpartner: Dr. Volker Kummer, Fon 0331 9774888

 

Termine der Fachgruppe für 2014

Immer Ärger mit den Neophyten?

Jahresbericht 2012 der Botaniker

Ende Januar 2013 konnte man aus den Medien erfahren, das der Zentralbank von Kanada bei der Herausgabe eines neuen 20-Dollar-Scheins ein peinlicher Irrtum unterlaufen ist. Statt des Nationalsymbols der Kanadier – dem Zucker-Ahorn (Acer saccharum) – wurden auf der Banknote die Blätter des europäischen Spitz-Ahorns (Acer platanoides) abgebildet. Nun passierte diese Verwechslung aber nicht nur den kanadischen Bankern, sondern auch schon vorher der staatlich verwalteten Fernsehbehörde und dem Verband der Kanadischen Naturkundemuseen bei der Gestaltung ihrer Logos (TAZ, 21.01.2013). Offenbar können viele Kanadier mittlerweile den heimischen Zucker-Ahorn nicht mehr vom ursprünglich europäischen Spitz-Ahorn unterscheiden.

Doch wie konnte es zu diesem wiederholten Fauxpas kommen?

Erst im 18. Jahrhundert hatten Händler aus Großbritannien den Spitz-Ahorn auf ihren Schiffen mit nach Nordamerika gebracht. Seitdem verbreiten sich die Fremdlinge in Kanada immer schneller und verdrängen auch zunehmend die 10 heimischen Ahornarten.

Damit gehört der Spitz-Ahorn in Kanada zu den sogenannten „invasiven Neophyten“. Neophyten (= Neubürger) sind gebietsfremde Pflanzen, die mit direkter oder indirekter Unterstützung des Menschen seit der Entdeckung Amerikas in ein bestimmtes Gebiet – in diesem Falle Kanada – gelangt sind. In der wissenschaftlichen Literatur wird der Begriff „invasiv“ für sämtliche neophytische Arten verwendet, die sich stark ausbreiten.

Neben den ökologischen Folgen sind auch die durch gebietsfremde Pflanzenarten verursachten ökonomischen und gesundheitlichen Schäden nicht zu unterschätzen. So betrug der in den USA durch nur wenige Pflanzenarten bis 1991 verursachte Schaden mehr als 600 Mio. $. In Deutschland sind im Jahre 2002 volkswirtschaftliche Kosten von 167 Mio. € durch die Ausbreitung der Neophyten angefallen (TAZ, 21.01.2013).

Zu den problematischen Neophyten in Deutschland zählen beispielsweise die Kanadische Goldrute (Solidago canadensis), Riesen-Bärenklau (Heracleum mantegazzianum) und die Späte Traubenkirsche (Padus serotina).

Für unsere Botanik-Fachgruppe sind die Beobachtung der Einwanderung und die gegenwärtige Verbreitung verschiedener Neophyten im Potsdamer Stadtgebiet ein spannendes Untersuchungsobjekt. Jeder einzelne Nachweis, den wir z. B. auch während unserer monatlichen Kartierungsexkursionen erheben, trägt dazu bei, eine solide Datengrundlage für weitergehende Untersuchungen zu schaffen. Ein Teil davon soll im neuen Band der Verhandlungen des Botanischen Vereins von Berlin und Brandenburg publiziert werden.

Zu den invasiven Einwanderern zählt in Potsdam auch das Schmalblättrige Greiskraut (Senecio inaequidens), ein gelbblütiger Korbblütler. Es stammt ursprünglich aus Südafrika und wurde in Deutschland erstmals 1889 festgestellt. Die Art breitet sich besonders entlang der Verkehrswege, insbesondere der Autobahnen und Gleisanlagen, rasant aus. Erstmals konnten wir die Art 1998 auf dem Potsdamer Hauptbahnhof nachweisen. Knapp 15 Jahre danach ist S. inaequidens bereits an vielen Stellen im Stadtgebiet vorhanden. Eine weitere Ausbreitung ist sehr wahrscheinlich.

Doch es gibt auch viele unproblematische Neubürger in der Potsdamer Flora. So ist z. B. die Ankunft und Ausbreitung des Glänzenden Storchschnabels (Geranium lucidum) in Potsdam gut dokumentiert. Diese Art ist u. A. im Hügel- und Bergland Sachsen-Anhalts heimisch und dort sehr zerstreut anzutreffen. 1859 pflanzte sie der Potsdamer Apotheker E. Blell in seinen Garten auf dem Brauhausberg. Schon im folgenden Jahr begann die Art in die Umgebung zu verwildern. Heute fühlt sich der unauffällige Glänzende Storchschnabel besonders in den Wäldern südlich Potsdams sehr wohl und besiedelt dort gerne schattige, etwas feuchte Wegränder. Negative Auswirkungen auf die heimische Flora sind nicht bekannt. Neugierigen sei verraten, das der Neubürger z. B. im Nesselgrund unweit des Forsthauses Templin fast ganzjährig in großer Anzahl angetroffen werden kann.

Christoph Buhr / NABU-Fachgruppe Botanik

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