Ölkatrastrophe in Potsdam

Dramatisches Geschehen am Pfingstsonntag wirft viele Fragen auf

Für die Bewohner der ausgedehnten Schwimmblattzone und des nördlichen Havelufers zwischen Lustgarten und Obere Planitz  wurde der Pfingstsonntag 2014 im wahrsten Sinne des Wortes zu einem schwarzen Tag. Unmittelbar neben diesem hochempfindlichen Biotop erfolgte die Betankung eines Flußkreuzfahrtschiffes. Offensichtlich herrscht auf dem Wasser ein Betankungsregime, das für jede Provinztankstelle das Aus bedeuten würde. Anders hier. Einfach per Schlauch Diesel bunkern -  ohne jede Sicherung, ohne die zwangsweise Abschaltung, die an jeder Autotankstelle Standard ist - auf dem Wasser ist das möglich. Unfassbar! Kommt dann noch Schlamperei und fast kriminelles Verhalten der am Tankvorgang Beteilgten hinzu, lässt die Katastrophe nicht lange auf sich warten.

Als die Feuerwehr am Pfingstsonntag anrückte, hatten sich bereits 800 Liter Diesel in die Havel ergossen. Bevor die ersten Ölsperren im Wasser lagen, hatte die stinkende Flüssigkeit schon Besitz vom Schwimmblattbereich ergriffen und das Ufer verseucht. Presseberichten zufolge soll die Feuerwehr sofort vor Ort gewesen sein. Im Gespräch mit den Anliegern klingt das allerdings anders. "Nach etwa zwei Stunden sei die Feuerwehr angerückt und dann dauerte es nochmals eine Weile, bis die Ölsperren gelegt wurden", heißt es bei Anglern und Wassersportlern vor Ort.

Um die sehr schwierige Rettung der Wasservögel kümmerte sich die Tierrettung Potsdam. "Das Problem der ölverschmierten Wasservögel interessiert offenbar behördlicherseits niemanden", so eine Helferin. Inzwischen kämpfen die 16 geretteten Vögel in Hamburg ums Überleben. Leider wurde versäumt, uns, den NABU- KV zu informieren. Das geschah erst einen Tag später.

Zwei Tage noch dem Unglück liegt am Havelufer immer noch ein unerträglicher Dieselgestank in der Luft. Das Schiff durfte seine Fahrt fortsetzen. Auch außerhalb der Ölsperren ist das Wasser kontaminiert. Haubentaucher brüten auf den ausgedehnten See- und Teichrosenfeldern und tauchen und schwimmen darin umher. Wie auch Bleß- und Teichhühner. Ob sie und ihr Nachwuchs das überleben, ist fraglich. Eher unwahrscheinlich bei der gravierenden Verunreinigung. Die Uferzone ist auf rund 100 Meter nahezu völlig verseucht. Die Bilder können nur einen ungefähren Eindruck der Situation widergeben.

 

W. Ewert