Die "Düsteren Teiche" in Potsdam

Foto: Wolfgang Ewert
Foto: Wolfgang Ewert

Gebietsbeschreibung

Die Düsteren Teiche befinden sich im westlichen Teil von Potsdam im Waldgebiet „Katharinenholz“ zwischen dem Pannenberg und dem Kleinen Herzberg. Das Katharinenholz liegt zwischen den Stadtteilen Potsdam-Eiche, -Bornstedt und -Bornim. Die Teiche liegen in einer Schmelzwasserrinne zwischen Moränenkuppen, die während der letzten Eiszeit vor ca. 10.000 Jahren entstanden ist und sich zu einer vermoorten Niederungsrinne entwickelt hat. Nach Recherchen der „Potsdamer Neueste Nachrichten" (PNN) wurde dieses Gebiet im Jahr 1679 erstmals als Fischteiche „Schezenteich“ erwähnt. Nach 1795 wurden sie von dem Hasenheger Lindstedt genutzt, der sich am untersten Teich ein Gut baute, das 1859/60 von König Friedrich Wilhelm IV. zum Schloss Lindstedt umgebaut worden ist. Im 19. Jahrhundert war die Rinne vermutlich ein Moorgebiet mit einzelnen temporären Gewässern. Im Laufe des 20. Jahrhunderts wurde der untere Bereich mit einem Damm angestaut, sodass der „Große Düstere Teich“ entstand und sich der untere Teil der Rinne zu einem Erlenbruchwald und einer Feuchtwiese entwickelte.

Heute besteht die Rinne im oberen nordwestlichen Teil beim Pannenberg aus dem „kleinen“ Teich mit einem Abflussgraben zum „großen“ Teich und darunter, im südöstlichen Teil hinter dem Damm, einem Erlenbruchwald und einer Feuchtwiese jeweils mit Graben. Die Feuchtwiese liegt direkt an der Amundsenstraße, der Graben macht dort einen Bogen, verläuft dann in Richtung Westen und entwässert beim Großen Zernsee in die Havel.

Schutzstatus und Situation

Der Bereich der Düsteren Teiche wurde 1983 vom Rat der Stadt Potsdam als Flächennaturdenkmal (FND) „Düstere Teiche“, der Erlenbruchwald mit kleineren Feuchtwiesenbereichen als FND „Lindstedter Seggenwiese“ unter Schutz gestellt. Dieser Schutzstatus wurde seitdem von der Stadt Potsdam nicht aufgehoben und ist deshalb auch weiterhin gültig. Die gesamte Schmelzwasserrinne ist darüber hinaus seit 1998 Bestandteil des Landschaftsschutzgebietes „Potsdamer Wald- und Havelseengebiet“. 1998 wurde im Auftrag der Stadt vom NABU-Kreisverband „Havelland“ Potsdam (NABU-KV Potsdam) für das FND „Düstere Teiche“ eine „Richtlinie zur Gebietsbehandlung“ mit Vorschlägen für konkrete Maßnahmen sowie zur weiteren Nutzung der angrenzenden Flächen erstellt. Beide FND werden (wie übrigens alle FND und NSG in Potsdam) von ehrenamtlichen Gebietsbetreuern betreut, die sich engagiert um Erhaltung und Entwicklung der Gebiete kümmern und die zuständigen Behörden auf Missstände hinweisen. Ein Kontakt zu den Gebietsbetreuern kann über die Untere Naturschutzbehörde (UNB) der Stadt Potsdam hergestellt werden (Tel. 0331 2892850).

Der große Teich führt, außer in besonders warmen Sommern, permanent Wasser, ebenso der kleine Teich, jedoch verlandet er zunehmend. Aus diesem Grund sind im Auftrag der Stadt für den kleinen Teich umfangreiche Renaturierungs- und Entschlammungsmaßnahmen zur Stabilisierung des Wasserhaushaltes in den Jahren 2007/08 durchgeführt worden. Der NABU-KV hat im Jahr 2008 in Abstimmung mit der Forst- und Naturschutzverwaltung einen interaktiven Naturlehrpfad entlang des Waldwanderweges, der den großen Teich umrundet, mit Erläuterungen zum Gebiet, zu den vorkommenden Tier- und Pflanzenarten, zum Naturhaushalt sowie zur Nutzung der angrenzenden Flächen vorbereitet.

Flora und Fauna

In der o. g. „Richtlinie zur Gebietsbehandlung“ des NABU sind bemerkenswerte Vorkommen von Tier- und Pflanzenarten aufgeführt. In den Jahren 1997/98 wurden hierfür Kartierungen und Untersuchungen durchgeführt und u. a. folgende Arten nachgewiesen:

Als Brutvögel kommen beispielsweise Bleßralle, Mönchsgrasmücke, Ringeltaube, Singdrossel, Grauschnäpper, Kernbeißer, Sumpfmeise, Gartenbaumläufer, Waldbaumläufer und Mittelspecht vor. Als Nahrungsgäste bzw. Durchzügler wurden u. a. beobachtet: Nachtigall, Eisvogel, Hohltaube, Sperber, Habicht, Neuntöter und Zwergtaucher. Das bemerkenswerte Vorkommen vom Zwergtaucher am großen Teich konnte der NABU in den Jahren 2005-2008 bestätigen, hier fehlt allerdings ein Brutnachweis.

Aus der Gruppe der Amphibien konnten Knoblauchkröte, Erdkröte, Moorfrosch, Grasfrosch und Teichfrosch beobachtet werden. Bemerkenswert hierbei ist die große Population der Erdkröte, die der NABU damals auf 2500 – 3000 Individuen geschätzt hat. Außer der Knoblauchkröte konnten alle genannten Amphibienarten in den Jahren 2005/06 bestätigt werden. Vermutlich kommt auch der Teichmolch vor, da er in den stehenden Gewässern in Potsdam eigentlich häufig ist, für die Düsteren Teiche fehlt jedoch ein Nachweis.

Aus der Gruppe der Reptilien wurden 1994 Waldeidechse und 1997/98 Ringelnatter als typische Feuchtgebietsarten nachgewiesen, aktuell kann nur die Ringelnatter bestätigt werden. Vermutlich kommt in den eher trockenen und offenen Randbereichen des Gebietes (im Bereich der angrenzenden Ackerbrache in Richtung Schloss Lindstedt) die Zauneidechse und in den trockenen und geschlossenen Randbereichen im Wald die Blindschleiche vor, da beide Arten in den entsprechenden Lebensräumen in Potsdam regelmäßig anzutreffen sind.

Aus der Gruppe der Fische wurden 1992 im großen Teich Schleie und Karausche, im kleinen Teich nur Karausche nachgewiesen. Vor einigen Jahren wurden leider gebietsfremde Aquarienfische eingesetzt, die nun die heimische Flora und Fauna gefährden.

Zur Flora: In den Teichen sowie am Ufer wachsen u. a. Schilf, Rohrkolben, Sumpf-Segge, Gemeines Hornkraut und Kleine Wasserlinse. Im Erlenbruchwald dominieren Erlen, Weiden und Eschen sowie im Bereich der Feuchtwiese Schilf und Sumpf-Segge.

Nutzung und Gefährdung

Die Düsteren Teiche werden vor allem von den Potsdamer Bewohnerinnen und Bewohnern der angrenzenden Stadtteile Eiche, Bornstedt und Bornim als Naherholungsgebiet genutzt, da der große Teich von einem sehr schönen Wanderweg umrundet wird und dieser an verschiedene Waldwanderwege im Katharinenholz angeschlossen ist. Eine Gefährdung des Gebietes liegt aufgrund des genannten Schutzstatus grundsätzlich nicht vor, allerdings drohen den Teichen, vor allem dem kleinen, ein Wasserverlust und das Austrocknen. Im unteren südöstlichen Bereich des Erlenbruchwaldes und der Feuchtwiesen wurden lange vor der deutschen Einheit mehrere große Gebäude errichtet, die außerhalb der FND, jedoch innerhalb der Rinne liegen. Vielleicht können sie eines Tages abgerissen und die aufgeschütteten Flächen zurückgebaut werden, was eine Vergrößerung des Feuchtgebietes zur ursprünglichen Ausdehnung und eine naturschutzfachliche Verbesserung bedeuten würde.

In den kleinen Teich wurden des Öfteren und unsachgemäß umfangreiche Materialmengen eingebracht, was maßgeblich zur Verlandungstendenz geführt hat, sodass die o. g. Renaturierungsmaßnahmen dringend erforderlich waren. Die Aquarienfische im großen Teich gefährden aufgrund der Nahrungskonkurrenz und der Gefahr einer Mischung der Arten die heimische Fauna.

Aktivitäten des NABU

Der NABU-Kreisverband Potsdam hat seine Planung und Vorbereitung für den interaktiven Naturlehrpfad am Wald-Wanderweg, der den großen Teich umrundet, abgeschlossen und entsprechende Fördergelder beantragt. Zur Realisierung fehlen immer noch die letzten juristischen Klärungen.

Des Weiteren führt der NABU-KV fast jedes Jahr im April oder Mai eine kleine naturkundliche Exkursion durch. Termin und Treffpunkt werden rechtzeitig auf unserer Homepage www.nabu-potsdam.de sowie in den Tageszeitungen der Stadt bekannt gegeben.

Frank Fiedler

Foto: Wolgang Ewert
Foto: Wolgang Ewert