Fachgruppe Botanik

Die Stadt Potsdam verfügt über eine Vielfalt an Biotopen: Neben Parklandschaften, zahlreichen Gewässern, Niederungswiesen, Trockenrasen, Zwischenmooren und Wald zählen auch Ackerflächen und sogar eine kleine Salzstelle dazu. Der daraus vorhandene Reichtum botanische Artenreichtum ist nicht selbstverständlich – aber ein dafür umso schützenswerteres Gut.

Die Fachgruppe Botanik widmet sich seit Mitte der 1990er Jahre der Erkundung der Flora sowie der Vegetation von Potsdam und Umgebung. Sie führt damit eine im 19. Jahrhundert etablierte Wissenschaft und Tradition fort.

Pracht-Nelke (Dianthus superbus), Foto: B. Kehl
Pracht-Nelke (Dianthus superbus), Foto: B. Kehl

Zu den Aktivitäten der Gruppe zählen insbesondere die Exkursionen zur Kartierung während der Vegetationszeit. Dabei werden nicht nur alte Fundorte bemerkenswerter Arten bestätigt oder neue, eingewanderte Pflanzensippen erfasst – die Datensammlung liefert auch Auskünfte zum Artenspektrum des Untersuchungsgebietes insgesamt sowie zu dessen Veränderungen über längere Zeiträume hinweg.

Sie kann damit als Barometer für den ökologischen Zustand vieler Lebensräume Potsdams gewertet werden.

 

Darüber hinaus verbergen sich hinter den „trockenen“ Daten mitunter wahre Wunderwerke der Natur von ästhetischer und filigraner Beschaffenheit: wie etwa die Schwarze Teufelskralle (Phyteuma nigrum), die Pracht-Nelke (Dianthus superbus, links), der Lungen-Enzian (Gentiana pneumonanthe, unten) und verschiedene Orchideen.

 

Lungen-Enzian (Gentiana pneumonanthe), Foto: J. Fürstenow
Lungen-Enzian (Gentiana pneumonanthe), Foto: J. Fürstenow

Bis Ende 2019 konnten für die Flora von Potsdam und Umgebung 1.765 Sippen nachgewiesen werden. Von diesem Gesamtbestand unterliegt etwa ein Drittel der Pflanzenarten den Gefährdungskategorien der Roten Liste Brandenburgs.

 

Der mit 44 % sehr hohe Anteil von Neophyten – also nicht einheimischer Pflanzen – an der Gesamtflora ist Ergebnis zunehmender Besiedlung sowie damit einhergehender Bodenversiegelung, Ruderalisierung und Zerstörung diverser Biotope. Zukünftig kann infolge des Klimawandels mit einer weiteren Verschärfung der Situation gerechnet werden.

 

All diese Auswirkungen auf die Flora des Stadtgebietes gilt es fortlaufend zu dokumentieren. Ein Teil der Ergebnisse konnte auch bereits in den „Verhandlungen des Botanischen Vereins von Berlin und Brandenburg“ publiziert werden (vgl. Publikationen).

Zugleich möchte die Fachgruppe über Vorträge eine breitere Öffentlichkeit für die botanische Artenvielfalt und ihre Schutzwürdigkeit sensibilisieren und damit aktiv zum Naturschutz beitragen. Wer daran teilnehmen möchte, ist herzlich willkommen.

 

Ansprechpartner ist Dr. Volker Kummer: botanik@NABU-potsdam.de.