Vogelschlag an Glas

Der NABU Potsdam wirbt für mehr städtebauliche Verantwortung ...

Vogelkollisionen an Glas sind mittlerweile ein bedeutsames Naturschutzproblem: nach Hochrechnungen der Staatlichen Vogelschutzwarten kommen jährlich rund 100-115 Mio. Vögel alleine in Deutschland an Glasfassaden um. Besonders gefährlich sind freistehende Glasflächen, da Vögel hier Vegetation oder den freien Himmel hinter dem Glas sehen. Problematisch sind zudem Reflexionen auf Glasoberflächen, die Vegetation naturgetreu spiegeln. Vögel sehen die gespiegelten Bäume oder freien Himmel und fliegen diese Spiegelungen an. Künstliche Beleuchtung kann wiederum nächtliche Zugvögel anlocken, die dann gegen das Glas fliegen. Als Folge eines Anflugs kommt es in der Regel zu schweren Kopfverletzungen oder dem sofortigen Tod. 

Glasfassaden in Potsdam

Heruntergerechnet auf den Standort Potsdam mit seiner spezifischen Bebauungsdichte kann von jährlich knapp 220.000 Vogelopfern in der Stadt ausgegangen werden. Damit ist Vogelschlag an Glas ein gravierendes und zudem drastisch unterbewertetes Artenschutzproblem. Der NABU Potsdam hat der Stadt Potsdam eine Untersuchung der Fachgruppe Ornithologie vorgelegt, mit der Kennzeichnung von rund 350 für Vögel potenziell (oder nachgewissen) gefährliche Glasfassaden im Stadtgebiet. Die Stadt Potsdam hat das Thema aufgegriffen und bemüht sich um eine Verbesserung. Während es gelungen ist, bei künftigen Bauvorhaben das Thema stärker zu berücksichtigen, ist die Nachrüstung der vorhandenen Fassaden mit wirksamen Vermeidungsmaßnahmen schwieriger umzusetzen. 

Aufruf zur Untersuchung von Glasfassaden

Der NABU Potsdam kann die Stadt dabei unterstützen Kollisionen an einigen ausgewählten Glasfassaden direkt nachzuweisen. Nachweise sind eine wichtige Grundlage um Vermeidungsmaßnahmen anzuregen und verstärkt auf die Thematik aufmerksam zu machen. Die Stadt hat einige Gebäude ausgewählt, die in öffentlichem Besitz stehen und einfacher nachgerüstet werden könnten, wenn vermehrt Kollisionen nachgewiesen werden.

 

Wir als NABU Potsdam brauchen dafür eure Hilfe! Kommt ihr öfter an den im Dokument dargestellten Gebäuden vorbei? Dann helft uns gerne bei der Untersuchung der Glasfassaden auf Kollisionen. Dazu läuft man die Fassaden entlang und sucht den Boden nach toten Vögeln ab. Bei günstigen Lichtverhältnissen können auch Abdrücke von den Anprallereignissen an den Scheiben erkannt werden, vereinzelt auch kleine Federn. Alle Feststellungen sollten mit Foto dokumentiert werden. Hierbei sollte auch die Anprallstelle (oder der Fassadenbereich) genannt bzw. im Foto markiert werden. 

 

Meldet euch gerne, wenn ihr eines der Gebäude systematisch öfter untersuchen möchtet. Alle anderen Feststellungen mit Dokumentation werden gerne entgegengenommen an: [email protected] 

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Standorte potentiell gefährlicher Glasfassaden
Vogelschlag an Glas_Standorte Potsdam(2)
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Nicht nur große Glasfassaden im öffentlichen Bereich können für Vögel zur Todesfalle werden. Häufig finden sich auch im privatem Wohnbereich Fenster, die häufig angeflogen werden. Dabei gibt es einfache Vermeidungsmaßnahmen. Kleine Punkt- oder Streifenmarkierungen können die Gefahr deutlich reduzieren. Seit kurzem finden sich im NABU-Shop entsprechende Punktmarkierungen, die sich einfach anbringen lassen: Vogelschutzmarkierung SEEN Elements, shiny/black 9/90 mm | NABU-Shop 

Wer in seinem persönlichen Umfeld dazu beitragen möchte, das Vogelschlag-Risiko zu senken, ist herzlich eingeladen, Kontakt zur Fachgruppe Ornithologie des NABU Potsdam aufzunehmen. 

Kontakt: [email protected]

 Bild- und Urhebernachweis: Fotos: Gebäudefassaden und Fahrgastunterstände in Potsdam/ K. Steiof.

Kartografische Darstellung Kartierungsergebnisse: J. Mattern.

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Info-Flyer Vogelschlag
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Markierter Halteunterstand "Schilfhof" (v. l.): U. Loeschmann (Geschäftsführer ViP), C. Persch (NABU Potsdam), B. Rubelt (Baubeigeordneter) . Quelle: Landeshauptstadt Potsdam, C. Homann.
Markierter Halteunterstand "Schilfhof" (v. l.): U. Loeschmann (Geschäftsführer ViP), C. Persch (NABU Potsdam), B. Rubelt (Baubeigeordneter) . Quelle: Landeshauptstadt Potsdam, C. Homann.

Pilotprojekt gegen Vogelschlag

Die ViP kennzeichnet Warteunterstände

100 Mio. Vogelschlagopfer pro Jahr, allein in Deutschland. Eine unvorstellbar hohe Zahl! Warteunterstände des öffentlichen Nahverkehrs zählen zu den besonders gefährdenden Glasflächen, da sie frei in der Landschaft stehen, häufig vor Vegetation. Im Anflug erkennen Vögel das Hindernis nicht, prallen dagegen und verenden in aller Regel. Um auf diese Gefährdungslage aufmerksam zu machen, hatte die Fachgruppe Ornithologie des NABU Potsdam kürzlich eine Kartierung besonders kritischer Glasflächen vorgenommen und die Ergebnisse der Stadtverwaltung übergeben. Diese reagierte nun im Zusammenspiel mit der ViP und ließ den Haltepunkt "Schilfhof" mit einem Streifendesign markieren, das für Vögel nachweislich gut erkennbar ist, so dass sie das Hindernis umfliegen. Die zuvor geklebten Greifvogel-Silhouetten sind – im Gegensatz dazu – nachweislich wirkungslos. Der NABU Potsdam bleibt hier im Gespräch und wird sich für die Markierung weiterer Unterstände einsetzen.

 


Potsdamer Tag der Wissenschaften

NABU Potsdam informiert zum Thema Vogelschlag

Dass großflächig verbautes Glas eine enorme Gefährdungslage für Vögel darstellt, ist vielfach noch nicht bewusst. Und dennoch haben es die meisten Menschen selbst schon unmittelbar im Wohn- oder Arbeitsumfeld erlebt: Das dumpfe Geräusch, wenn ein Vogel im Flug gegen die Scheibe knallt. Umso erfolgreicher war die Präsenz des NABU Potsdam auf dem diesjährigen Potsdamer Tag der Wissenschaften Anfang Mai. Anhand eigens präparierter Glasflächen, die auch aktuellste Möglichkeiten der Prävention zeigten, war die Aufmerksamkeit des Publikums unmittelbar erzielt: Während des gesamten Nachmittags wurde der NABU-Stand von Fragenden und um Rat Suchenden regelrecht belagert. Denn inzwischen lassen sich Glasscheiben auch nachträglich mit sehr wirkungsvollen und hochbeständigen Mustern so bekleben, dass sie für Vögel schon von weitem erkennbar sind, das menschliche Auge aufgrund des geringen Deckungsgrades allerdings wenig stören.

Text: 2023