Kiebitze in Potsdams Norden

"Vogel des Jahres 2024"

Früher war der Kiebitz in unserer Landschaft weitverbreitet. Die massive Entwässerung von Feuchtgebieten und die Intensivierung der Landwirtschaft machen es dem Kiebitz zunehmend schwer geeignete Nistmöglichkeiten zu finden. Der "Vogel des Jahres 2024" ist mittlerweile von massiven Bestandrückgängen bedroht. Insgesamt geht es dem Kiebitz in Brandenburg und auch deutschlandweit sehr schlecht. Vor einigen Jahrzehnten noch in ganz Brandenburg verbreitet, gilt der Kiebitz heute nach der Roten Liste als "stark gefährdet". Umso wichtiger sind der Erhalt und die Schaffung von geeigneten Lebensräumen. 

Auf einigen Grünland- und auch Ackerflächen um Potsdam konnten bisher Kiebitzvorkommen festgestellt werden. Auch hier zeigte sich eine negative Bestandsentwicklung. Es fehlte an genauen Kenntnissen über die regionale Bestandssituation und an aktiven Schutzmaßnahmen. Um diese Vorkommen dauerhaft zu erhalten und die Bestände zu erhöhen, wurden in den letzten Jahren erfolgreich Maßnahmen zum Kiebitzschutz durchgeführt. Engagierte Ehrenamtliche sind seit 2021 in den Flächen unterwegs. Die Schwerpunkte liegen hier auf dem Monitoring des Brutbestand, dem Monitoring des Schlupf- und Bruterfolgs, der Lebensraumaufwertung und dem Gelegeschutz. Durch das Monitoring können konkrete Aussagen zu der Anzahl der Brutpaaren und der Gelege getroffen werden. Während im Jahr 2021 37 Brutpaare gezählt werden konnten, sind es 2024 über 40 Paare. Die Schlupfquote fiel mit 55-76 % unterschiedlich aus. 

 

Um den Lebensraum für den Kiebitz und andere Arten dauerhaft zu erhalten, wurde auf einer Fläche eine Solarpumpe installiert. Ziel ist es eine temporäre Vernässung zu erhalten, da Kiebitze von feuchten Wiesen profitieren. Hier finden sie geeignete Bedingungen zum Brüten. Neben dem Einsatz der Solarpumpe wurden 2024 bei einem Pflegeeinsatz zudem Kopfweiden verschnitten, um einen offenen Charakter zu erhalten. Die Tiere bevorzugen Flächen mit kurzer Vegetation ohne dichtere Gehölzstrukturen oder Sichtbarrieren in der Nähe. Wird die Vegetation zu dicht, dann ist der Nistplatz ungeeignet. 

 

         Neben der Aufwertung der Lebensräume sind der Gelegeschutz und der Schutz vor Fressfeinden für den Erhalt der Bestände unabdingbar. Bodenbrütende Arten geraten durch Fressfeinde zunehmend unter Druck. Arten wie  Waschbär, Marderhund oder Fuchs können ganze Gelege räubern. Aus diesem Grund werden Gelege vor der Mahd markiert und auf einigen Wiesen Zaunsysteme in Zusammenarbeit mit Landwirten installiert. Auf der eingezäunten Fläche konnten 20 Bruten gezählt werden. 16 Bruten verzeichneten einen Schlupferfolg mit über 13 flügge gewordenen Jungtieren. Mithilfe von Fotofallen konnte das Ausbleiben von Fressfeinden nachgewiesen werden. 

 

Das Projekt wird in Zusammenarbeit mit dem LPV (Verein für Landschaftspflege Potsdam e.V.) im Rahmen von Kooperative "Grubener Kulturlandschaft" durchgeführt. 

Ausblick 2025

Das erfolgreiche Projekt zum Kiebitzschutz soll auch in den nächsten Jahren weitergeführt werden. Die Einzäunung der Flächen hat sich vor allem beim Prädatorenschutz als sehr erfolgsversprechend gezeigt. Ein weiterer Einsatz dieser Schutzmaßnahme ist geplant. Eine zweite Solarpumpe soll ebenfalls zum Einsatz kommen, um eine weitere Fläche zu vernässen. Weitere Rückschnitte von Weiden und Pappeln zum Erhalt des Offenlandes sind ebenfalls notwendig. Der Kiebitz wurde zudem als Zielart in das Projekt "Grubener Kulturlandschaft" integriert. 

Wenn Interesse für das Projekt besteht oder man das Projekt unterstützen möchte, kann man sich gerne bei der FG melden: Fachgruppe Ornithologie - NABU Potsdam (nabu-potsdam.de)

Bild- und Urhebernachweis:

Kiebitze - NABU/Wolfgang Püschel, Kiebitze mit Jungtieren - NABU/Thorsten Krüger

Pflegeeinsatz - NABU/D. Schneeweiß & R. Vaaßen, Jungtier - NABU/D. Schneeweiß 

Gelege -NABU/D. Schneeweiß, Zaunsystem - NABU/D. Schneeweiß